POV PORTFOLIO STARTUP VI - Unser Portfolio Startup eco:fibr im Interview

Business Angels Club Berlin-Brandenburg e.V. > Blog > Startups > Ananas für die nachhaltige Papierproduktion – Unser Portfolio Startup eco:fibr“

Ananas für die nachhaltige Papierproduktion – Unser Portfolio Startup eco:fibr“

  • bacb
  • Startups
  • Keine Kommentare

Merit Ulmer lächelt entspannt in die Kamera, während sie über eco:fibr, die Zusammenarbeit mit den Angels, das Klima und die Zukunft erzählt. 

Das Motto von eco:fibr, „turning waste into purpose“, spiegelt nicht nur die Philosophie des Unternehmens wider, sondern ist auch die persönliche Vision der Co-Gründerin.

Wie würdest du eco:fibr in einem Satz beschreiben:

Das ist tatsächlich unsere Mission. Turning waste into purpose. Wir nutzen pflanzliche Reststoffe, um daraus Produkte herzustellen, Wertschöpfungsketten zu verlängern und so ein bisschen die Welt besser zu machen.

Ananaspflanzen sind nicht unbedingt das Erste, woran man bei der Papierherstellung denkt. Wie seid ihr damals darauf gekommen?

Am Anfang war das gar nicht der Plan. Als wir 2017 gestartet sind, waren wir eine Studierendeninitiative. Kontakte unserer Universität haben es uns ein Jahr später ermöglicht, nach Costa Rica zu kommen. Wir hatten damals die Idee, nicht transportfähige Bananen zu nutzen, um Produkte herzustellen. Vor Ort mussten wir jedoch feststellen, dass Bananen kein Problem darstellen, die Pflanzenreste von Ananas jedoch schädlich für die Umwelt waren bzw. immer noch sind. Sie können durch ihre Beschaffenheit nicht einfach so verrotten. Der bereits ausgelaugte Boden wird dadurch weiter belastet und bietet einen idealen Nährboden für eine Steckfliegenart. Das wiederum ist ein Problem für die Fleischproduktion. Deshalb hat die lokale Politik angeordnet, die Pflanzen nicht einfach auf dem Feld verrotten zu lassen. Sie müssen zuerst chemisch getrocknet werden und dürfen dann untergepflügt oder verbrannt werden. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Luftqualität und auch auf die Qualität des Grundwassers. Außerdem wird die Gesundheit der Anwohnenden und Mitarbeitenden immense beeinflusst. Deswegen haben wir uns damals gesagt: okay, da müssen wir etwas dagegen tun, weil irgendwie macht es keiner, da passiert nichts: Ja, lass mal (was) machen.

Auf eurer Website steht, dass die Welt vor einer großen Zahl an ökologischen Herausforderungen steht. Hast du einen Tipp für junge Gründer*innen, die etwas gegen diese Herausforderungen machen wollen?

Im Endeffekt ist die Frage, welche Herausforderungen es gibt und was der Impact ist, wenn man sie löst? Welcher kleine Part hat eine große Wirkung? Und dann hilft es natürlich auch, sich zusammenzuschließen. Das bedeutet, auch wenn viele kleine Probleme gelöst werden, ist am Ende trotzdem ein großes Problem gelöst. Geht in den Austausch mit ähnlich getriebenen Unternehmer*innen, unterstützt einander. Man sollte den kooperativen Gedanken dahinter sehen und nicht die Konkurrenz. 

Der BACB war vor einiger Zeit Mitveranstalter des Female StartAperitivo. Hast du das Gefühl, dass die Startup-Branche auf dem richtigen Weg ist, was die Gleichberechtigung angeht? 

Also wir sind da auf einem guten Weg. Gerade in der Startup Branche. Aber auch in der Gesellschaft sind wir auf jeden Fall auf einem besseren Weg. Wir müssen immer weiter das Mindset verfolgen, dass Mensch Mensch ist und dass es da keine Unterschiede gibt. Und wenn wir das alle tun und es immer wieder ansprechen, dann ist auf jeden Fall auch schon viel getan. Und so ein Startup Aperitivo ist zum Beispiel mega klasse! Wir haben auch mitgemacht und solche Events sind einfach empowernd.

Welche Erwartungen hast du, was dieses Empowerment beim BACB angeht? Hattest du vor der Zusammenarbeit bestimmte Erwartungen?

Ich bin tatsächlich von Anfang an davon ausgegangen, dass beim BACB da kein Unterschied gemacht wird. Aber im Endeffekt ist es wichtig, innerhalb vom BACB zu predigen, dass es keine Unterschiede in der Behandlung geben darf. Dass die Angels gebrieft werden und sich selbst noch einmal hinterfragen. Es ist wichtig, dass zum Beispiel bei Gesprächen über technische Themen nicht nur mit den männlichen Gründern, sondern auch den Weiblichen gesprochen wird. Dementsprechend ist ein BACB internes Briefing wichtig. 

Und allen Gründerinnen würde ich raten, selbstbewusst an solche Situationen ranzugehen. 

Dafür bist du ja auch ein gutes Vorbild. Bei deinen Pitches wirkst du sehr entspannt und auf jeden Fall selbstbewusst. Was ist dein Tipp gerade an neue Gründer*innen, die das erste Mal pitchen?

Ganz, ganz lieben Dank. Ich fühle mich natürlich in der Situation überhaupt nicht so! Ich freue mich immer, wenn andere dann sagen „Oh, du wirkst so entspannt dabei“. Und im Endeffekt pocht mir dabei auch noch das Herz und die Schweißdrüsen gehen auf, das muss man auch ganz ehrlich sagen. Trotzdem ist so eine gewisse Routine irgendwann ganz schön. 

Den ersten Pitch würde ich immer vor dem Team, externen Personen und anderen Gründer*innen üben. Auch, um Tipps für die Mimik und Gestik zu bekommen. Ein guter Tipp ist es, sich nicht zu verbiegen und nicht nur das zu antworten, was die Leute hören wollen. Gerade wenn es um die Q&A Sessions geht, ist es wichtig, authentisch zu bleiben. Denn wenn man eine klare Meinung vertritt, wirkt man noch mal ganz anders auf Menschen. Selbst wenn man sich dann mal verhaspelt oder Ähnliches, dann ist es einfach nur menschlich. Und das macht dich manchmal auch einfach sympathischer als andere, die einen total geradlinigen Pitch hingelegt haben. Aber wenn man keine Menschlichkeit bemerkt, dann fühlen die Leute nicht mit dir, ja, sorry, aber dann wird das halt auch nichts.

Das hat für euch ja auch gut geklappt. Ihr habt am Ende 3 Angels für euch gewonnen.  Was bedeutet die Zusammenarbeit da für euch?

Für uns war es eine tolle Entscheidung, mehrere Business Angels mit reinzunehmen. Durch ihre verschiedenen Expertisen decken sie viele Bereiche ab. Es werden zum Beispiel wichtige Themen von den Angels eingebracht. So sexy Themen wie Versicherungen. Und wir versuchen, deren Tipps, Tricks und Anmerkungen anzunehmen und uns daraufhin zu entwickeln. Vor allem die Zusammenarbeit mit Philipp Marschall ist für uns super hilfreich. Aber alle Angels gehen sehr auf unsere Unterstützungsbedürfnisse ein und stehen uns zur Seite.

Wir freuen uns sehr, Teil des BACB Portfolio zu sein. 

Es ist mir besonders wichtig zu sagen, dass wir super dankbar sind für die tatkräftige Unterstützung beim Fundraising Prozess. Wir fanden auch die Betreuung von Daniel ganz ganz klasse und er hat uns extrem unterstützt. Auch die Events, das Miteinander und die Community sind richtig klasse. Wir freuen uns sehr, Teil des BACB Portfolios zu sein und hoffen, in der nächsten Runde auch noch den ein oder anderen Angel dazu zu holen.

Mehr Infos zu ecofibr gibt es hier: https://www.ecofibr.de

Fotos: ecofibr
Text: Kira Münsterberg (BACB)

Autor: bacb